Fachpraktiker für Holzverarbeitung/ Tischler; BS Timmendorfer Strand
Im Rahmen einer dreiwöchigen Praktikumsfahrt nach Südtirol sammelten die sieben teilnehmenden Schüler (sechs Fachpraktiker für Holzverarbeitung – BS TiDorf und ein BBW-Tischler-Auszubildender – BS Oldenburg) vielfältige berufspraktische und persönliche Erfahrungen. Untergebracht waren die Auszubildenden und wir Begleitpersonen (Karen Wohlert, Katja Klemm und ein Tischlermeister) auf dem Hintnerhof im Pustertal in zwei Ferienwohnungen – dort, wo wir bereits 2024 sehr gastfreundlich aufgenommen worden waren. Wir arbeiteten alle gemeinsam in kleineren, familiengeführten landwirtschaftlich-handwerklichen Betrieben.

Zu unseren Aufgaben gehörten handwerkliche Projekte wie die Aufarbeitung von Möbeln, Demontage der alten und Herstellung einer neuen großen Gartenbank, Arbeiten mit Wildholz sowie Tätigkeiten im Bereich der Tierpflege, Stall- und Hofarbeit, Heu- und Gartenarbeiten. Letztere landwirtschaftliche Arbeiten waren nicht im Voraus geplant, ergaben sich aber dadurch, dass in einem Praktikumsbetrieb Covid vorlag und wir deshalb ganz flexibel alle möglichen anderen Arbeiten annahmen. Dies war ein Glücksfall: Einige Schüler sagten, sie seien vorher noch nie auf einem Hof gewesen oder hätten noch nie Ponys oder Esel gestreichelt bzw. Stall ausgemistet. Die Schüler erhielten dadurch Einblicke in die Arbeitsweise, den Alltag und die wirtschaftlichen Strukturen regionaler Betriebe, insbesondere im Zusammenspiel von Handwerk, Landwirtschaft, Tourismus und Direktvermarktung.
Viele Rückmeldungen zeigen, dass die Jugendlichen das Leben und Arbeiten im Ausland als bereichernd, aber auch herausfordernd empfanden. Neu war für sie vor allem das längere Leben außerhalb des Elternhauses (bzw. Internats), das enge Miteinander in der Gruppe über drei Wochen, die fremde Sprache und Kultur und das Arbeiten in ungewohnter Umgebung incl. frühen Aufstehens für alle – auch am Wochenende für die Tiere und Stallarbeit. Diese Erfahrungen förderten Selbstständigkeit, Durchhaltevermögen, Verantwortungsbewusstsein, Anpassungsfähigkeit und das europäische Miteinander.
Fast alle Schüler waren vorher noch nie in den Bergen gewesen und einige noch nie über Norddeutschland hinausgekommen. Dementsprechend beschrieben sie als besonders eindrucksvoll die gemeinsamen Wanderungen, Ausflüge in die Berge, zu den Wasserfällen und Besuche kultureller Sehenswürdigkeiten wie den Kronplatz (2275 m – mit Gondelfahrt), das Volkskundemuseum Dietenheim oder das Ötzi-Museum in Bozen. Die Arbeit mit Tieren, die Begegnung mit der Südtiroler Natur sowie das gute Miteinander in der Gruppe – trotz zeitweiliger Schwierigkeiten – wurden als Highlights hervorgehoben.

Insgesamt wird die Praktikumsfahrt von den Teilnehmenden durchweg positiv bewertet. Sie wird als lehrreich, abwechslungsreich und persönlich prägend geschildert. Die Fahrt trug maßgeblich zur Förderung der Teamfähigkeit, Eigenverantwortung und interkulturellen Offenheit bei.
Aus pädagogischer Sicht lässt sich festhalten, dass die Praktikumsfahrt ein gelungenes Beispiel für handlungsorientiertes und erfahrungsbasiertes Lernen darstellt. Sie ermöglichte den Schülern nachhaltige Einblicke in berufliche Arbeitsfelder und stärkte zugleich wichtige persönliche und soziale Kompetenzen. Wir Lehrkräfte würden die Fahrt als sehr vielfältig, anstrengend, aber auch für alle Mitfahrenden sowohl herausfordernd als auch zeitweise unglaublich humorvoll, als pädagogisch und persönlich sehr gelungen einschätzen.