Vorbereitungstreffen vom 09.11. – 16.11.2022 in Südtirol

Schon vor einigen Jahren, auf einer Tagung in Osnabrück, entstand die Idee, ein Projekt mit der Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung in Bozen zu starten. Auf der Tagung lernten wir eine kleine Gruppe von Frauen kennen, mit denen wir einen regen Austausch über die Hauswirtschaft in Norddeutschland und in Südtirol führten und viele Möglichkeiten für eine Kooperation sahen. In diesem Jahr sollte es nun endlich wahr werden. Für eine Woche reisten wir im Rahmen eines Erasmus-Vorbereitungstreffens in den Norden Italiens, um das Projekt gezielt planen zu können.

Was stellen wir uns vor?

Wir möchten mit einigen Auszubildenden der Hauwirtschaft (Auszubildende im Beruf Fachpraktiker/in Hauswirtschaft und im Beruf Hauswirtschafter/in) die Möglichkeit bieten, ab Oktober 2023 für drei Wochen über den Tellerrand hinauszuschauen. „Von Norddeutschland nach Südtirol“ – „Von der Ostseeküste in die Berge“

Konkret wird es so aussehen, dass die Gruppe zunächst eine Woche lang die Region, kulinarische Spezialitäten, arbeits- und hygienerechtliche Besonderheiten, den Berufsschulalltag in Südtirol kennenlernt, sich an die Sprache und die neue Umgebung gewöhnt. Die beiden folgenden Wochen werden die Auszubildenden in einem hauswirtschaftlichen Betrieb ein Praktikum absolvieren. Gut vorstellen können wir uns, auch Praktikanten/Praktikantinnen aus Südtirol im Raum Ostholstein aufzunehmen und zu betreuen.

Vier Treffen mit Schulen und Organisationen konnten wir in dieser Woche wahrnehmen.

Als erstes besuchten wir die Südtiroler Bäuerinnen-Organisation direkt in Bozen. Die Bäuerinnen sind eine Teilorganisation des Bauernbundes, vergleichbar mit den Landfrauen im Bauernverband bei uns in Deutschland. So steht auf deren Homepage geschrieben:
„Die SBO setzt sich für das Leben, die Familie, die Heimat, die sozialen Anliegen, die Regionalität, den Erhalt von Kultur und Brauchtum, den Erhalt des ländlichen Raumes, die Aus- und Weiterbildung im ländlichen Raum, die Landwirtschaft sowie die Entwicklung des ländlichen Raumes ein“

Frau Mock unterstützte uns tatkräftig bei der Suche nach geeigneten Betrieben für das Praktikum und bietet ihre Unterstützung bei der Klärung arbeitsrechtlichen Fragen an.


In der Mitte Silke Mock
SBO-Landessekretärin

Zwei Treffen fanden dann in Fachschulen für Hauswirtschaft und Ernährung statt.
Besonders angetan hat es uns die Fachschule in Kortsch im herbstlichen Vinschgau. Wir erleben eine neue moderne Schule, mit gut ausgestatteten Fachräumen für Wäsche, Reinigung, Textil, kreatives Gestalten und Nahrungszubereitung. Mit vielen Inspirationen im Gepäck bedankten wir uns bei Herrn Dr. Paulmichel und reisten zurück nach Bozen.


In der Mitte Dr. A. Paulmichel
(Direktor)

Sehr schön gelegen ist auch die Fachschule für Landwirtschaft, Hauswirtschaft und Ernährung in Dietenheim bei Bruneck im Pustertal. Interessant ist hier die unmittelbare Nähe zur Fachschule Landwirtschaft mit deren Bereichen Milchwirtschaft und Saftproduktion. Im Gespräch mit der Direktorin Frau Aschbacher erfuhren wir über die Sorgen der Fachschulen bezüglich zurückgehender Schülerzahlen und der Anerkennung der Hauswirtschaft. Auch hier besteht die Möglichkeit auf ein länderübergreifendes Projekt und schauen im Frühjahr, was in welchem Umfang möglich ist.

In der Mitte Gertraut Aschbacher
(Direktorin)

In Südtirol gehen alle Schüler und Schülerinnen 5 Jahre in die Grundschule und dann 3 Jahre auf die Mittelschule. Wählen die noch recht jungen SuS die Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung, erlernen sie im 1. und 2. Schuljahr die Grundlagen zur Ernährung und Hauswirtschaft, im 3. Schuljahr wählen sie eine von drei Fachrichtungen: Agrotourismus, Ernährung oder Hauswirtschaft. Mit dem Abschluss dürfen sie einen Urlaub auf dem Bauernhof Betrieb oder Buschenschank führen. Alternativ können sie im 4. Schuljahr das Fachliche vertiefen und gehen als „Spezialisierte Fachkräfte“ in ihrem Bereich auf den Arbeitsmarkt. In einem weiteren 5. Schuljahr kann die Matura (Abitur) erreicht werden. Dieses Jahr hat ausschließlich allgemeinbildende Inhalte.
Ein viertes Treffen führte uns wieder nach Bozen an die Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung in Haslach. Im Laufe des Gespräches mit Frau Ladurner, Direktorin in Haslach, Neumarkt und Tisens und Frau Gögele, Schulleiterin in Haslach, begriffen wir, dass diese Schule eher wie eine Volkshochschule funktioniert, in der die Teilnehmer/innen auf dem zweiten Bildungsweg für die Hauswirtschaft ausgebildet werden. Auch hier finden wir Ansatzpunkte für eine Kooperation: Gut vorstellbar ist eine Teilnahme unserer Schülerinnen an Seminaren oder Kursen in der Einführungswoche.

 

In der Mitte Martina Gögele (Schulleiterin in Haslach)
u. Frau Gudrun Ladurner (Direktorin)

 

Natürlich kam auch das Kennenlernen der Region nicht zu kurz. Wir haben das Südtirol Mobilticket getestet und als sehr brauchbar befunden. Das Preis-Leistungsverhältnis ist nahezu unschlagbar. Der öffentliche Nahverkehr und viele Seilbahnen sind enthalten, die wir bei bestem Herbstwetter nutzen konnten „von der „Ostseeküste in die Berge“.
Tiroler Speck, Schüttelbrot, Schutzkrapfen und Knödel haben auf dem Speisenplan nicht gefehlt und den Aufbau des Bozener Weihnachtsmarktes konnten wir täglich erleben. Wir haben in der Jugendherberge in Bozen geschlafen und finden sie gut geeignet für einen möglichen Aufenthalt in Südtirol. Zentraler geht es nicht.
Kurzum: Es kann losgehen!!

Bericht: Hanna Hagemeier und Jeanette Bruhn, 22. November 2022