Trinkwassererwärmungsanlagen installieren
26 interaktive Übungsaufgaben (Wärmetauscher, Speicher, DLE, Normen & Schutz) & Rechenaufgaben
I. Interaktive Diagramme
Temperaturverlauf in einem Plattenwärmetauscher im Gegenstromprinzip:
Maximale Zapfmenge bei \( \Delta t = 30\text{ K} \) in Abhängigkeit von der elektrischen Leistung (kW):
II. Fachtheoretische Übungsaufgaben (1–5)
Erklären Sie den Unterschied zwischen einem Speicher-Wärmetauscher (z. B. Rohrwendel im Speicher) und einem externen Plattenwärmetauscher im Durchlaufprinzip bezüglich Platzbedarf, Hygiene (Legionellenrisiko) und Verkalkungsneigung.
Musterlösung:
• Speicher-Wärmetauscher: Großer Platzbedarf, großes stehendes Trinkwasservolumen (Legionellengefahr bei \( < 60\,^{\circ}\text{C} \)). Dafür geringere erforderliche Kesselleistung, da Energie über Zeit gespeichert wird.
• Plattenwärmetauscher (Durchlauf/Frischwasser): Sehr kompakt, höchste Hygiene (kein Vorratsspeicher für Trinkwasser). Hohe Momentanleistung erforderlich, höhere Verkalkungsneigung bei Vorlauftemperaturen \( > 60\,^{\circ}\text{C} \).
Beschreiben Sie den inneren Aufbau und die Funktionsweise eines modernen Kombispeichers (z. B. Puffer-Speicher mit integriertem Edelstahl-Wellrohr als Frischwassermodul) zur zentralen Trinkwassererwärmung und Heizungsunterstützung.
Musterlösung:
Der Kombispeicher enthält ausschließlich Heizungswasser (Pufferspeicher). Das Trinkwasser wird erst bei Bedarf im Durchlaufprinzip erwärmt. Entweder strömt es durch ein im Speicher liegendes Edelstahl-Wellrohr (hohe Oberfläche) oder wird über eine externe Frischwasserstation erwärmt. Vorteile: Hydraulische Entkopplung, Einbindung mehrerer Wärmeerzeuger (Solar, Wärmepumpe, Kessel), maximale Hygiene.
Warum werden Plattenwärmetauscher in Trinkwassererwärmungsanlagen bevorzugt im Gegenstromprinzip betrieben?
Musterlösung:
Im Gegenstromprinzip fließen Heiz- und Trinkwasser in entgegengesetzter Richtung. Dadurch bleibt die Temperaturdifferenz zwischen beiden Medien über die gesamte Tauscherlänge annähernd konstant. Das Trinkwasser kann auf eine Temperatur erwärmt werden, die nahe an der Vorlauftemperatur des Heizwassers liegt. Der mittlere Temperaturunterschied (\( \Delta t_m \)) ist größer, weshalb die Wärmetauscherfläche kleiner gebaut werden kann.
Vergleichen Sie hydraulisch gesteuerte Durchlauferhitzer mit vollelektronisch geregelten Durchlauferhitzern hinsichtlich Energieeffizienz und Komfort.
Musterlösung:
• Hydraulisch: Schaltet über Differenzdruck in 2–3 Stufen. Bei Schwankungen des Wasserdrucks ändert sich die Ausauftemperatur spürbar. Höherer Wasser- und Energieverbrauch.
• Vollelektronisch: Erfasst Durchfluss und Zulauftemperatur und regelt die Heizleistung stufenlos. Hält die Wunschtemperatur exakt konstant (auch bei Druckschwankungen) und spart ca. 20–30 % Energie/Wasser.
Welche Mindesttemperaturen müssen laut DVGW W 551 in Großanlagen eingehalten werden?
Musterlösung:
• Speicheraustritts-Temperatur: \( \ge 60\,^{\circ}\text{C} \)
• Zirkulationssystem (Wiedereintritt in den Speicher): \( \ge 55\,^{\circ}\text{C} \) (maximaler Temperaturabfall 5 K)
• Ziel: Abtötung/Vermeidung des Wachstums von Legionellen (optimaler Vermehrungsbereich liegt zwischen \( 25\,^{\circ}\text{C} \) und \( 45\,^{\circ}\text{C} \)).
III. Rechenaufgaben (6–15)
Ein Trinkwasserspeicher mit \( V = 400\text{ l} \) soll von \( 10\,^{\circ}\text{C} \) auf \( 60\,^{\circ}\text{C} \) erwärmt werden. Berechnen Sie die erforderliche Energie \( Q \) in kWh.
Lösungsweg:
\( Q = m \cdot c \cdot \Delta t \)
\( m = 400\text{ kg} \), \( \Delta t = 60 - 10 = 50\text{ K} \)
\( Q = 400\text{ kg} \cdot 1{,}163\text{ Wh/(kg}\cdot\text{K)} \cdot 50\text{ K} = 23.260\text{ Wh} = \mathbf{23{,}26\text{ kWh}} \)
Die Energie aus Aufgabe 6 (\( 23{,}26\text{ kWh} \)) wird von einem Kessel mit \( 24\text{ kW} \) Ladeleistung geliefert. Wie lange dauert das Aufheizen in Minuten?
Lösungsweg:
\( t = \frac{Q}{P} = \frac{23{,}26\text{ kWh}}{24\text{ kW}} = 0{,}969\text{ h} \)
\( t = 0{,}969\text{ h} \cdot 60\text{ min/h} = \mathbf{58{,}1\text{ Minuten}} \)
Ein Durchlauferhitzer hat eine Leistung von \( 21\text{ kW} \). Kaltwasser = \( 10\,^{\circ}\text{C} \), Warmwasser = \( 40\,^{\circ}\text{C} \). Berechnen Sie die Zapfmenge in l/min.
Lösungsweg:
\( P = \dot{V} \cdot c \cdot \Delta t \implies \dot{V} = \frac{P}{c \cdot \Delta t} \)
\( \Delta t = 40 - 10 = 30\text{ K} \)
\( \dot{V} = \frac{21\text{ kW}}{1{,}163\text{ Wh/(kg}\cdot\text{K)} \cdot 30\text{ K}} = 0{,}6018\text{ kg/h} \cdot \frac{1000}{60} \approx \mathbf{10{,}03\text{ l/min}} \)
Es werden \( 6\text{ l/min} \) Warmwasser (\( 60\,^{\circ}\text{C} \)) mit Kaltwasser (\( 10\,^{\circ}\text{C} \)) gemischt. Zieltemperatur = \( 38\,^{\circ}\text{C} \). Berechnen Sie den Kaltwasservolumenstrom.
Lösungsweg:
\( V_{\text{WW}} \cdot (t_{\text{WW}} - t_m) = V_{\text{KW}} \cdot (t_m - t_{\text{KW}}) \)
\( 6 \cdot (60 - 38) = V_{\text{KW}} \cdot (38 - 10) \)
\( 132 = 28 \cdot V_{\text{KW}} \implies V_{\text{KW}} = \mathbf{4{,}71\text{ l/min}} \)
(Gesamtvolumenstrom: \( 6 + 4{,}71 = 10{,}71\text{ l/min} \))
Ein Wärmetauscher soll \( 35\text{ kW} \) übertragen. \( k = 2500\text{ W/(m}^2\cdot\text{K)} \), \( \Delta t_m = 14\text{ K} \). Berechnen Sie die benötigte Tauscherfläche \( A \).
Lösungsweg:
\( \dot{Q} = k \cdot A \cdot \Delta t_m \implies A = \frac{\dot{Q}}{k \cdot \Delta t_m} \)
\( A = \frac{35.000\text{ W}}{2500\text{ W/(m}^2\cdot\text{K)} \cdot 14\text{ K}} = \frac{35.000}{35.000} = \mathbf{1{,}0\text{ m}^2} \)
Täglicher Bedarf: \( 180\text{ l} \) (\( 60\,^{\circ}\text{C} \), Kaltwasser \( 10\,^{\circ}\text{C} \)). Wärmepumpe JAZ = 3,5, Strompreis = 0,32 €/kWh.
a) Jahresenergiebedarf in kWh?
b) Jährliche Stromkosten?
Lösungsweg:
a) \( Q_{\text{Tag}} = 180\text{ kg} \cdot 1{,}163\text{ Wh/(kg}\cdot\text{K)} \cdot 50\text{ K} = 10.467\text{ Wh} = 10{,}47\text{ kWh/Tag} \)
\( Q_{\text{Jahr}} = 10{,}47\text{ kWh/Tag} \cdot 365 = \mathbf{3.821{,}55\text{ kWh/Jahr}} \)
b) Stromverbrauch WP = \( \frac{3.821{,}55}{3{,}5} = 1.091{,}87\text{ kWh}_{\text{el}} \)
Kosten = \( 1.091{,}87\text{ kWh} \cdot 0{,}32\text{ €/kWh} = \mathbf{349{,}40\text{ €/Jahr}} \)
Ein Speicher hat Bereitschaftsverluste von \( P_v = 65\text{ W} \). Wie viel kWh verliert er am Tag?
Lösungsweg:
\( Q = P \cdot t = 65\text{ W} \cdot 24\text{ h} = 1.560\text{ Wh} = \mathbf{1{,}56\text{ kWh/Tag}} \)
Zirkulationsleitungslänge = \( 80\text{ m} \), Verlust \( q = 11\text{ W/m} \). Berechnen Sie den Jahresverlust in kWh bei 24h Dauerbetrieb.
Lösungsweg:
\( P_{\text{ges}} = 80\text{ m} \cdot 11\text{ W/m} = 880\text{ W} = 0{,}88\text{ kW} \)
\( Q_{\text{Jahr}} = 0{,}88\text{ kW} \cdot 24\text{ h/Tag} \cdot 365\text{ Tage} = \mathbf{7.708{,}8\text{ kWh/Jahr}} \)
Volumenstrom Solarkreis = \( 8\text{ l/min} \) Glykolgemisch (\( c = 3{,}8\text{ kJ/(kg}\cdot\text{K)} \), \( \rho = 1{,}02\text{ kg/l} \)). Vorlauf = \( 65\,^{\circ}\text{C} \), Rücklauf = \( 45\,^{\circ}\text{C} \). Welche Leistung \( P \) wird übertragen?
Lösungsweg:
\( \dot{m} = 8\text{ l/min} \cdot 1{,}02\text{ kg/l} = 8{,}16\text{ kg/min} = 0{,}136\text{ kg/s} \)
\( P = \dot{m} \cdot c \cdot \Delta t = 0{,}136\text{ kg/s} \cdot 3{,}8\text{ kJ/(kg}\cdot\text{K)} \cdot (65 - 45\text{ K}) = \mathbf{10{,}34\text{ kW}} \)
Wannenfüllung: \( 160\text{ l} \) mit \( 45\,^{\circ}\text{C} \) in \( 10\text{ Minuten} \) (Kaltwasser \( 10\,^{\circ}\text{C} \)). Welcher Momentanleistung entspringe das?
Lösungsweg:
\( Q = 160\text{ kg} \cdot 1{,}163\text{ Wh/(kg}\cdot\text{K)} \cdot 35\text{ K} = 6.512{,}8\text{ Wh} = 6{,}51\text{ kWh} \)
\( t = 10\text{ min} = 0{,}1667\text{ h} \)
\( P = \frac{6{,}51\text{ kWh}}{0{,}1667\text{ h}} \approx \mathbf{39{,}05\text{ kW}} \)
Fazit: Für reine Durchlauferwärmung ist eine extrem hohe elektrische/heizungstechnische Leistung erforderlich.
IV. Weiterführende Fachtheorie (16–26)
Welche Sicherheitseinrichtungen müssen nach DIN EN 1488 in der Kaltwasserzuleitung eines geschlossenen Trinkwassererwärmers in Fließrichtung eingebaut werden?
Musterlösung:
1. Absperrventil
2. Prüfvorrichtung / Prüfstopfen
3. Rückflussverhinderer
4. Manometeranschluss / Manometer
5. Membran-Sicherheitsventil (mit Abblaseleitung zum Ablauf)
Warum muss ein Membran-Ausdehnungsgefäß in Trinkwasseranlagen (MAG-W) zwingend durchströmt aufgebaut sein?
Musterlösung:
Um Stagnationswasser und übermäßiges Bakterienwachstum (z. B. Legionellen) zu vermeiden. Durch eine spezielle Strömungs-Armatur (z. B. High-Flow-Lanze oder Durchströmungseinsatz) wird das MAG-W kontinuierlich mit frischem Kaltwasser gespült.
Beschreiben Sie den Ablauf und die technischen Anforderungen einer thermischen Desinfektion nach DVGW-Arbeitsblatt W 551.
Musterlösung:
Das gesamte Speicher- und Rohrleitungsnetz wird für mindestens 3 Minuten auf mindestens \( 70\,^{\circ}\text{C} \) erwärmt. An allen Entnahmestellen muss diese Temperatur nacheinander erreicht und nachgewiesen werden. Während der Durchführung ist durch geeignete Maßnahmen ein Verbrühschutz für Nutzer sicherzustellen.
Warum ist das dauerhafte Einhalten von \( 60\,^{\circ}\text{C} \) Kesselaustrittstemperatur bei Betrieb mit einer Wärmepumpe energetisch problematisch, und welche Lösung bietet ein Frischwassermodul?
Musterlösung:
Wärmepumpen arbeiten bei hohen Vorlauftemperaturen (\( > 60\,^{\circ}\text{C} \)) mit einer stark geminderten Jahresarbeitszahl (JAZ). Das Frischwassermodul erwärmt das Trinkwasser erst bei Bedarf im Durchlaufprinzip. Dadurch kann das Heizungs-Pufferwasser auf einem niedrigeren Temperaturniveau gehalten werden, ohne ein Legionellenrisiko im Speichermedium einzugehen.
Welche Aufgabe hat eine Opferanode (Magnesiumanode) im Trinkwasserspeicher und wann muss eine Fremdstromanode eingesetzt werden?
Musterlösung:
Die Magnesiumanode schützt Mikrorisse und Fehlstellen in der Emaille vor Korrosion, indem sie sich als unedleres Metall opfert. Eine Fremdstromanode wird eingesetzt, um den regelmäßigen Wartungs- und Austauschaufwand der Magnesiumanode zu vermeiden; sie arbeitet mit einer sich nicht abbauenden Titanelektrode und externer Gleichspannung.
Welche Aufgabe hat das thermostatische Drosselventil (Zirkulations-Regulierventil) im Zirkulationskreislauf?
Musterlösung:
Es sorgt für den hydraulischen Abgleich der verschiedenen Zirkulationsstränge. Fällt die Temperatur im Strang unter den Sollwert (z. B. \( 55\,^{\circ}\text{C} \)), öffnet das Ventil; steigt sie darüber, drosselt es den Durchfluss, damit weit entfernte Stränge ebenfalls ausreichend warmes Wasser erhalten.
Warum neigen Plattenwärmetauscher bei Trinkwassertemperaturen über \( 60\,^{\circ}\text{C} \) verstärkt zur Verkalkung und welche Maßnahmen verhindern dies?
Musterlösung:
Ab ca. \( 60\,^{\circ}\text{C} \) fällt im Wasser gelöster Kalk (Calciumcarbonat) beschleunigt aus. Gegenmaßnahmen sind: Begrenzung der sekundärseitigen Trinkwassertemperatur auf max. \( 60\,^{\circ}\text{C} \), Einbau von Wasserenthärtungsanlagen bei hohem Härtegrad oder regelmäßige chemische Entkalkung.
Was beschreibt die Leistungskennzahl \( N_L \) eines Trinkwasserspeichers?
Musterlösung:
Die Kennzahl \( N_L \) gibt an, wie viele Standard-Ein-Familienhaus-Wohnungen (mit je 3,5 Personen, 1 Normalwanne und Entnahmestellen) ein Speicher bei einer gegebenen Kesselleistung vollständig mit Warmwasser versorgen kann.
Welche Vorgaben macht das Gebäudeenergiegesetz (GEG) bezüglich des Betriebs von Zirkulationspumpen?
Musterlösung:
Zirkulationspumpen müssen mit automatischen Einrichtungen zur Ein- und Ausschaltung (z. B. zeitorientierte Steuerung, Zeitschaltuhr oder anforderungsgesteuerte Spülung) ausgestattet sein. Ein ungesteuerter Dauerbetrieb (24/7) ist gesetzlich unzulässig.
Warum darf in Trinkwasser-Warmwasserinstallationen nach einer Kupferleitung keine feuerverzinkte Stahlrohrleitung folgen (Fließregel)?
Musterlösung:
Es droht elektrochemische Korrosion (Lochfraß). Gelöste Kupferionen können im Wasser transportiert werden und sich auf der Zink- oder Stahlschicht ablagern. Dort bilden sie ein lokal galvanisches Element, welches das unedlere Metall (Stahl) rasch zerstört.
Erklären Sie den Unterschied zwischen dem Gegenstrom- und dem Gleichstromprinzip bei Wärmetauschern. Nennen Sie die jeweiligen Vor- und Nachteile sowie die typischen Einsatzbereiche.
Musterlösung:
1. Gegenstromprinzip: Beide Medien fließen in entgegengesetzter Richtung zueinander.
• Vorteile: Höchster Wirkungsgrad, größere mittlere Temperaturdifferenz (\( \Delta t_m \)). Das zu erwärmende Medium kann auf eine Temperatur erwärmt werden, die höher liegt als die Austrittstemperatur des heizenden Mediums.
• Nachteile: Ungleichmäßige thermische Belastung des Werkstoffs über die Tauscherlänge.
• Einsatz: Standard in der Trinkwassererwärmung (Platten- & Frischwasserwärmetauscher).
2. Gleichstromprinzip: Beide Medien fließen in dieselbe Richtung.
• Vorteile: Schnelle Abkühlung/Erwärmung am Eintritt, sehr gleichmäßige Wandtemperatur (schont empfindliche Stoffe).
• Nachteile: Schlechterer Wirkungsgrad. Die Austrittstemperatur des Sekundärmediums kann niemals höher werden als die Austrittstemperatur des Primärmediums.
• Einsatz: Prozesstechnik, Schutz vor Überhitzung oder zum gezielten Abkühlen.