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Fachschule für Heilpädagogik, Lensahn

Fachvortrag mit anschließender Podiumsdiskussion

Perspektivenvielfalt zu gewinnen und vor allem MIT den Betroffenen in den Dialog zu kommen - Dies ist handlungsleitendes Prinzip und ein grundsätzliches Anliegen an der Fachschule für Heilpädagogik, das auch allen Blockveranstaltungen im Rahmen der dreijährigen Weiterbildung zugrunde liegt.

So waren am Montag, den 29.01.2018 zahlreiche Expert*innen der Einladung von Martina Brandes in die Fachschule für Heilpädagogik gefolgt, um sich von einem spannenden Fachvortrag zu differenzierten Betrachtungen anregen zu lassen.

Referentin Janina ThöneböhnFrau Janina Thöneböhn, Heilerziehungspflegerin und derzeitig Studentin an der Fachhochschule des Mittelstands in Rostock im Studiengang „Heil- und Inklusionspädagogik“, präsentierte den Weiterbildungsteilnehmer*innen einen interessanten und zu kontroversem Diskurs anregenden Impulsvortrag zum Thema „Neue Wege zur Inklusion-Werkstätten für Menschen mit Behinderung, Chancen und Risiken“, der in der provokanten Frage gipfelte, ob Werkstätten für Menschen mit Behinderung unter dem Paradigma der Inklusion als „Sonderwelten“ nicht grundsätzlich abzulehnen und abzuschaffen seien.

Gesprächsgäste auf dem Podium waren, neben Frau Thöneböhn, unter der Gesprächsleitung von Martina Brandes:

Sönke Dethleff,  Leiter des Sportbereichs der Werkstätten der Vorwerker Diakonie, Lübeck und Lehrkraft an der Gisa Feuerberg Schule (Fachschule für Heilerziehungspflege)

Dr. Stefan Doose, Fachschule für Heilpädagogik, Lensahn und Experte für Unterstützte Beschäftigung

Dr. Michael Franzke, Professor an der Fachhochschule des Mittelstands, Rostock

Holger Graw, Leiter der Werkstätten der Vorwerker Diakonie, Lübeck

Christoph Leitner, Werkstattmitarbeiter im Sportteam der Werkstätten der Vorwerker Diakonie, Lübeck

Angela Ulrich, Geschäftsführerin des Integrationsfachdienstes Integra, Lübeck.

Bild aller Podiumsdiskussionsteilnehmer

 

Die erste Stellungnahme zur Frage kam von  Herrn Leitner, der als Werkstattmitarbeiter der Vorwerker Diakonie eindrücklich schilderte, weshalb diese Institution für ihn persönlich genau der richtige Rahmen war und ist, um seine Potentiale zu entdecken, voll auszuschöpfen, zu erweitern und sinnvoll im Rahmen eines multiprofessionellen Teams einzusetzen.

Im Expert*innenkreis auf dem Podium, später zudem mit den Weiterbildungsteilnehmer*innen der Mittel- und Oberstufe, konnten viele Facetten des Themas diskutiert werden. Es galt, gesellschaftliche, juristische, wirtschaftliche und heilpädagogische Positionen zu hören, gegeneinander abzuwägen, zu überdenken und letztlich zu integrieren, um  im Sinne der Betroffenen Impulse für Veränderungsnotwendigkeiten abzuleiten.

Im Verlauf des Gesprächs wurde deutlich, dass es sehr wohl Bestehendes gibt, das erhaltenswert ist und sich der Nutzen stets an den Individuen und ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Bedarfen bemessen muss. Wandlungs- und organisationale Entwicklungsprozesse, auf das große Ziel der Inklusion hin, sind im Rahmen der Werkstätten bereits in vielfältiger Weise angestoßen und umgesetzt. Werkstätten neu zu denken, nicht mehr als Gebäude, sondern als offene „Firmen“, die mit vielen Fachdiensten und anderen Institutionen im Sinne der Beschäftigten kooperieren, seien anzustreben. Deutlich wurde zudem, dass heilpädagogische Fachkräfte mithilfe systemischer Gestaltungskraft künftig eine wichtige Rolle dabei übernehmen könnten, zunächst kontroverse oder gar als unvereinbar erscheinende fachliche Perspektiven im Sinne der Betroffenen als produktive Energien zu nutzen, um Menschen zusammenzubringen, die Veränderungsprozesse in bestehenden Diensten und Einrichtungen behutsam und mutig zugleich vorantreiben möchten.

Die metaphorische Schlussbotschaft, die sich in den Abschlussplädoyers der Podiumsgäste widerspiegelte, lautete:

Heilpädagog*innen nehmen vielleicht zunächst einzelne Fachleute mit in ihr (kleines) Boot, sie tun jedoch gut daran, die Gesellschaft insgesamt nicht zu vergessen, sondern ebenfalls „einzuladen“ und dadurch das Boot auf geheimnisvolle Weise immer mehr wachsen zu lassen!

 

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