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Denk- und Austausch-Forum am 02.05.2019 in Lensahn
Titel: Mut zur Würde – Zivilcourage in der Schule


Zivilcourage Inneres TeamUnter dem Titel „Mut zur Würde“ trafen sich Kolleg*innen der BBS Oldenburg, wie auch eine Schulsozialarbeiterin, der Schulleiter Herr Gülck und ein Schüler*innen-Vertreter der SV in Lensahn, um sich über Zivilcourage auszutauschen. Dabei wurden viele Themen besprochen, die den anwesenden Personen auf der Seele lagen. Schnell wurden einzelne Themenfelder klar, die etwas mit Zivilcourage oder dessen Mangel zu tun haben könnten: So wurde über den Flurfunk ebenso gesprochen, wie über den teils problembezogenen Austausch im Lehrer*innen-Zimmer, aber auch über die Herausforderung Feedback zu geben in Bewertungssettings. Nach kurzer Zeit wurde einhellig klar, dass Zivilcourage nicht nur mit den großen Fragen der Abwendung von Rechtsextremismus oder Menschenverachtung im Allgemeinen zu tun hat, sondern in unseren Alltag eine wichtige Rolle spielen kann. Es beginnt bei kleinen Dingen, wie dem Hinweis zum Aufheben eines weggeworfenen BonbonPapiers oder der eigenständigen Aufhebung, aber auch der Wehrung diskriminierenden Verhaltens und Mobbings im schulischen Alltag. Dabei sind z.B. Mobbing-Prozesse zum Teil nicht öffentlich, sondern in der Allverfügbarkeit der digitalen Welt präsent und doch verdeckt. Bewusst hinzusehen, zu erkennen, dass dort jemand in seiner*ihrer Würde beschnitten wird und dann auch noch zu handeln ist ein Prozess, der durch viele Abzweigungen verhindert werden kann. Um diese Herausforderungen im Mindesten zu erkennen startete die Veranstaltung mit einem Impuls durch Katrin Halfmann, die uns mit zwei Modellen zum Nachdenken anregte:

Zum einen hat der Prozess, der am Ende mit einem zivilcouragierten Handeln endet vielfältige Verhinderungsfaktoren: 1. es bemerken statt sich ablenken zu lassen, 2. es als Notsituation zu interpretieren statt in Pluralistischer Ignoranz verschwimmen zu lassen, 3. sich verantwortlich zu fühlen statt zu sagen, dass auch andere nicht handeln, 4.sich entscheiden, wie zu handeln sei, statt sich als inkompetent zu fühlen und 5. konkret handeln statt Angst vor sozialer Ausgrenzung zu haben. Somit ergeben sich mindestens fünf Möglichkeiten aus dem Prozess der Handlung auszusteigen.

Zum Zweiten sind wir uns selbst in uns nicht immer einig, was wir tun sollten. Dabei streiten nicht nur zwei Seelen in unserer Brust, sondern unter Berücksichtigung des „inneren Teams“ als Reflexionsebene streiten viele verschiedene Personen in uns. Ob es der Beschäftige ist, der uns nicht richtig hinschauen lässt, weil ja eh so viel zu tun ist, oder der Harmonie-Liebende, der bloß nicht möchte, dass es zu einem Konflikt kommt. Jedem Team-Mitglied in uns zu seinem Recht zu verhelfen, da alle davon wichtig sind, kann eine Herausforderung sein. Besonders wenn man Mut braucht die Würde des anderen zu schützen.DAF1

Im spannenden Austausch bei Kaffee, Obst und Keksen analysierten wir viele alltägliche Herausforderungen und Einschnitte von Würde, die wir beobachten konnten. Bereicherten unseren jeweiligen Blickwinkel und erkannten, dass wir oft doch gar nicht alleine vor der Situation stehen, oder einen verrückten Blickwinkel haben. Bestärkt aus dem Austausch entwickelten wir konkrete Ideen, die wir uns selbst vorgenommen haben und vielleicht auch für andere ein Impuls sein könnten:

1. Vorbild sein – Wir beginnen mit dem Verhalten, das wir uns im Sinne der Anerkennung von Andersartigkeit und Würde der Personen wünschen.
2. Gleichgesinnte finden und austauschen – Sich versichern, dass die eigene Perspektive richtig ist und es sich lohnt für Würde einzutreten.
3. Dialog mit Anderen und weitersagen – Wenn wir jeder zwei Menschen davon begeistern, wird es zu einem Schneeball-Effekt.
4. „Gewaltfreie Kommunikation“ als Impuls für Haltungsentwicklung – Wir müssen Menschen Handwerkszeug an die Hand geben, sodass sie sich auch ohne Gewalt verständigen können.
5. Motto-Tag für Zivilcourage – Wir brauchen Tage der Erinnerung und des Ausprobierens. Zivilcourage lebt durch das Tun und dafür braucht es Zeit und Begegnung.

Das Denk- und Austausch-Forum hat als Impuls die Teilnehmenden inspiriert weiter auf diesen wichtigen Aspekt des gemeinsamen Zusammenlebens zu achten. Mut zur Würde ist eine Herausforderung und Provokation über sein eigenes Handeln nachzudenken. Die Kultur des Hintenherum mit der Kultur des Vorne-herum zu ersetzen. Denn so resümierte Katrin Halfmann selbst: „Wer die Würde einer anderen Person gefährdet, setzt seine eigene aufs Spiel.“

Phillip Diestel

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